| 30.11.2011: | 5. Eintrag
Obwohl ich bereits eine Woche vorher grippig war und die Fahrt mit dem Auto 800 km betrug, war die Ausstellung in Osterwald (Deutschland) ein schöner Erfolg. Die Vernissage am 6. November war gut besucht, und die Begegnungen mit der Galeristin Maria Kaluza und den Menschen dort waren aussergewöhnlich, im Sinne von grosser Offenheit und einer Herzlichkeit, wie ich es selten in dieser Art erfahren habe. Da ich vor Vernissagen immer aufgeregt und hibbelig bin, war die Krankheit in diesem Moment ein Segen, konnte ich doch sehr ruhig und gelassen ein Gedicht von Goethe zitieren und frei aus dem Bauch über meine Kunst erzählen. Am Sonntagabend machte ich mich sehr nachdenklich und zufrieden mit meiner Frau auf die Heimreise. Diese Ausstellung läuft noch bis Ende Januar.
Des Weiteren freue ich mich über die unerwartet zustande gekommene Ausstellung in Gstaad an der Kirchstrasse im Atelier Buch & Bild. Einige bemerkenswerte Kornfelder des gelben Sommers sind dort zu besichtigen. Für einige davon liess ich spezielle, vergoldete Rahmen anfertigen, denn gewisse Gemälde verdienen ein passendes Pendant. Alles in allem äusserst sehenswert. Und Prosit auf schöne Kunst!
Wie es mir trotz anhaltendem grippalem Infekt und Stirnhöhlenkatarrh geht? Nun ja, es kann nur noch besser werden…
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| 29.10.2011: | 4. Eintrag
Viele Arbeiten - besonders die Ausstellung in Osterwald/Deutschland - halten mich aut Trab. Zusätzliche Aufträge lassen mir keine Zeit fürs Malen mit Gelbtönen, was ich so gerne machen würde. Besser so als anders. Somit ist für das Materielle gesorgt, und der Kopf ist frei. So gehe ich zurzeit mit meinen gelben Bildern schwanger und freue mich auf ruhigere Tage. Es geht mir gut, und das ist gut so. Der Herbst war warm und schön, und mein Herz ist voll.
Was soll ich schreiben, frag' ich mich, wenn die ganze Welt zuhört und meine Gedanken lesen kann? Was ist dann wirklich noch wichtig? Hmm... Ich komme schwer ins Grübeln... Vielleicht ein heiterer Gedanke: "Die Blumen sind das Lächeln der Erde".
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| 02.09.2011: | 3. Eintrag
Leider - muss ich sagen - geht der gelbe Sommer vorbei, nicht aber die gelbe Phase. Der 31. August war Stichtag und Abschluss des gelben Sommers. Insgesamt sind 41 Werke entstanden. Einige sind dabei, welche mir sehr gefallen, insbesondere die Kornfelder und die grossformatige Serie Supernova I-III. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass mich Gelbtöne total entspannen, erheitern und - warum auch immer - trösten. Vielleicht auch etwas in mir zum Klingen bringen, das eine stille Sehnsucht nach Ruhe und Einkehr in mir wachruft.
Was gibt es Poetischeres als ein reifes Kornfeld, welches nicht nur für das Auge eine Liebkosung ist, sondern mein ganzes Wesen zum Leuchten bringt? Möge dieses Leuchten auch in kommenden Wintertagen mein steter Begleiter sein und sich in Werken widerspiegeln! Halleluja!
Mein Ziel - 30 bis 50 Werke in Gelbtönen - habe ich erreicht. Es war anstrengend und überaus lebendig. Es gab Momente, wo ich vor lauter Arbeit gar nicht wusste, wo ich beginnen sollte. Dieser Zustand hält noch an. Ein schöner Nebeneffekt davon ist, dass ich drei Kilos abgenommen habe.
Die meisten Werke des gelben Sommers befinden sich zurzeit in meiner Galerie in Brienzwiler. Sie erscheinen nach und nach auch auf der Homepage.
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| 26.07.2011: | 2. Eintrag
Wie schnell doch die Zeit vergeht!
Doch das Schwimmen in gelben Farben hält an. Ich habe einige Bilder mit Kornfeldern und Sonnenhimmel gemalt, bin ganz versunken darin und komme kaum davon weg. Ich geniesse diese Phase des gelben Schöpfungsprozesses. Gibt es mir doch neben all der anderen Arbeit im täglichen Leben sehr viel Sinn und inneren Frieden. Ja, bisweilen erlebe ich Momente von enormer Klarheit und Präsenz. Mein Ziel war ja, bis Ende August die Werke besammen zu haben. So wie es jetzt aussieht, bin ich inzwischen mit 17 Bildern auf Kurs. Wage mich jetzt auf grossformatige Leinwände und verbrauche gut und gern für so ein Bild ein Kilo Ölfarben. Es ist eine ganz eigene Sinnlichkeit, so grossformatig und so verschwenderisch mit Ölfarben umzugehen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Ich überschreite meine eigenen Grenzen und Vorstellungen und habe in mir die Gewissheit, dass das schon in Ordnung ist.
Es ist ein kühler, regnerischer Juli, doch in meinem Atelier ist es Sommer, gelb und warm. Franziska arbeitet viel im Büro, Haushalt und in den Gärten. Noëmi und David haben Schulferien und wollen etwas erleben. Bei jedem Bild sind sie jeweils meine ersten Kunstkritiker, und oft gibt es interessante Gespräche und Diskussionen.
Alles in allem ist viel Bewegung und Dynamik in unserer Familie. Warum auch muss der Vater Künstler sein! Sicher wäre sonst alles ein bisschen ruhiger und sittsamer.
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| 16.06.2011: | 1. Eintrag
Nach 25 Jahren kreativem Kunstschaffen, davon 12 Jahre als freischaffender Künstler, bin ich müde…Meine Frau meinte: „Mach eine Pause, eine kreative Auszeit, und erhole dich.“ Bingo, das hat gesessen. Ich habe mich fallen lassen, bin ganz ins Gefühl von Entspannung und Erholung gekommen, habe einfach mir selber erlaubt, auszuatmen, loszulassen, still zu werden.
In diesem Zustand der Erholung hatte ich Lust, mein Atelier aufzuräumen und sauber zu machen. Während dem Aufräumen blieben meine Augen bei den gelben Farben hängen. In diesem Moment wurde mir klar: 30-50 Bilder, alle in Gelbtönen. Ich fing noch am selben Tag mit zwei Bildern in Acryl an. Der gelbe Sommer war geboren.
Inzwischen sind zwei Wochen vergangen, und ich habe fünf weitere Werke in Öl vollendet. Ich bin sehr inspiriert und voll Tatendrang und fühle diese Kraft in mir, welche sich ausdrücken will. Mein Ziel ist es, bis Ende August alle Werke beisammen zu haben. Ob ich noch müde bin? Nein. Bin ich erstaunt? Ja.
P.S. Wer nicht an die Sonne glaubt, ist gottlos.
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