Seylech (Charles) Leuthard, Künstler des Lichts.

29. März 2026

154. Eintrag, Brienzwiler

Erdlichter entstehen. Es sind kleine Naturkunstwerke. Als Sämling in der Erde gekeimt und gewachsen über Jahre zu einem stattlichen Baum, Sturm und Hitze erfahren, viele Sommer und Winter erlebt, gereift über Jahre. Schönheit konnte sich entwickeln und wird sichtbar, auch wenn der Baum am Boden liegt, sich zersetzt und resorbiert wird von der Erde selbst, aus der er einst entsprungen ist.

Das Holz, das ich verwende, ist jener Teil des Astes der Bergfichte, der im Stamm verborgen ist und den ich herausdrehe, nachdem der Zersetzungsprozess schon einige Jahre stattgefunden hat. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort finde ich die Hölzer und horche auf das, was sie mir erzählen. Es sind kleine Kostbarkeiten, die ich mit einem Kristall – meist Limonitquarze – und Blattgold veredle und so dem Holz Licht und Würde gebe. Sie sind so individuell und einzigartig wie wir Menschen: Eigenwillig, zäh, sturmerprobt, reich an Erfahrung, weise und schön im Alter.

Es wird viel berichtet, und vieles geschieht zurzeit auf Erden. Auch kleine, gute Dinge, von denen wir zurzeit nichts wissen, die einmal zu etwas Grossem werden können.