30. Juni 2026
157. Eintrag, Brienzwiler
Neulich besuchte ich – ich hatte gerade in der Nähe zu tun – den Ort und das Haus meiner Kindheit. Ein Wohnblock mit zwanzig Wohnungen, gebaut anfangs der Siebzigerjahre für Arbeiterfamilien mit kleinem Lohn.
Ich weiss noch, wir waren die ersten, die einzogen. Ganz unten rechts war unser Zuhause. Eine Vierzimmerwohnung für sechs Personen. Wir vier Geschwister teilten natürlich unser Zimmer: Ich mit meinem jüngeren Bruder eins und die zwei älteren Schwestern zusammen eins. Meine Kindheit dort war bescheiden. Aber wir hatten viel Platz zum Spielen.
Ich erinnere mich an erste kreative Arbeiten, die dort entstanden, ich war etwa vierzehn Jahre alt. Ich zeichnete mit Buntstiften die Schlösser der Schweiz auf Papier und kolorierte sie pastellartig. Zu guter Letzt rahmte ich sie mit Haselnusshölzchen, die ich sammelte und zurechtschnitzte.
Nun steht dieser Wohnblock in Rothenburg leer und wird dieses Jahr abgerissen. Neues wird dort entstehen, und neue Geschichten werden geschrieben. Alte Geschichten verblassen.
Meine Geschichten leben in meinen Kunstwerken weiter. Und sie sind noch nicht zu Ende. Zu viele Ideen und Projekte warten noch auf ihre Umsetzung und wollen in diese Welt gebracht werden.

