Seylech (Charles) Leuthard, Künstler des Lichts.

28. Oktober 2018

67. Eintrag, Brienzwiler

Eine ganz normale Woche:

Montag, 22.10.2018:
Arbeitsbeginn im Atelier um 5.30 Uhr, durchgearbeitet bis 12.00 Uhr: Diverse Arbeiten, Kristallsonnen und Bilderrahmen fertigstellen.
Nachmittags 13.00-18.00 Uhr: Arbeiten an Skulpturen und Naturkunstwerken.

Dienstag, 23.10.2018:
7.00 Uhr Abfahrt mit Franziska nach Château-d’Oex. Wir müssen ein Bild holen, welches wir dort ausgestellt haben, um es am Donnerstag einer Kundin im Kanton Graubünden zu zeigen. Hin- und Rückfahrt drei Stunden.
Nachmittags Arbeiten im Atelier: Vergolden und Kristallsonnen aufspachteln.

Mittwoch, 24.10.2018:
Arbeitsbeginn 5.00 Uhr. Brauche zurzeit circa sechs Stunden Schlaf, bin schon frühmorgens fit und geniesse die stillen Morgenstunden im Atelier, in denen ich besonders inspiriert bin. Diverse Arbeiten wie Zuschneiden, Einpassen, Montieren.
Vorbereiten für Donnerstag: Fünf Werke einpacken, diverses Werkzeug und Bohrmaschine bereitstellen.

Donnerstag, 25.10.2018:
7.00 Abfahrt mit Franziska via Susten, Andermatt, Oberalppass in die Surselva. Das Wetter ist wunderbar, mild und stahlblau.
11.00 Termin bei der Kundin: Bilder zeigen, beraten, montieren.
12.00 Rückfahrt und Mittagessen im Kloster Disentis, Weiterfahrt via Andermatt, Furkapass. Besichtigung des Rhonegletschers. Das Eis schmilzt in einem immensen Tempo.
17.00 Ankunft daheim, ausladen und aufräumen, Franziska erledigt Büroarbeiten.
18.00 Feierabend.

Freitag, 26.10.2018:
Arbeitsbeginn 4.30 Uhr. Da ich nicht vor 7.00 Uhr Lärm machen darf, arbeite ich an einer neuen, goldenen Tafel. Überlege Aufbau, Strukturen, Schwerpunkte und wäge die Möglichkeiten ab.
7.00 Uhr Fräsarbeiten vor dem Haus für Kristallsonnen und goldene Tafeln.
12.00 Mittagessen mit Franziska vor dem Haus.
Nachmittags Gartenarbeiten mit Franziska und aufräumen des Ateliers.

Samstag, 27.10.2018:
7.00 Uhr Arbeiten im Atelier, vergolden.
10.00 Abfahrt zu einem Kundengespräch im höchsten Gebäude von Luzern, ganz zuoberst. Phantastische Aussicht, ich fühle mich den weltlichen Sorgen und Herausforderungen entrückt. Auftragsbesprechung und Auftragserteilung.
12.15 Mittagessen beim Inder.
Am Nachmittag schlendere ich durch die Altstadt und geniesse den ersten Weihnachtsschmuck.

Sonntag, 28.10.2018:
8.00 Abfahrt zu unserer Tochter zum Brunch. Das nasskalte Wetter lässt uns in der Wohnung verweilen. Wir spielen, diskutieren und geniessen unser Beisammensein.
Ich habe Zeit für ein Mittagsschläfchen.
17.00 Termin in Luzern zur Lieferung und Montage eines Kunstwerks. Einladung zum Nachtessen und angeregte Gespräche mit viel Herz.

 


13. September 2018

66. Eintrag, Brienz

Auch das gibt es:

Die eigentlich auf Dezember geplante Ausstellung „Goldene Zeiten“ habe ich spontan auf heute vorverlegt und bin mit Franziska in unserer Galerie in Brienz, um sie einzurichten. Wir kommen zügig voran, als plötzlich eine Dame eintritt und die noch nicht ganz fertige Ausstellung besichtigen will.

Sie sei aus Berlin und passionierte Kunstsammlerin, insbesondere Salvador Dalí und Picasso haben es ihr angetan, von denen sie auch Originale besitze. Die hier ausgestellten goldenen Werke habe sie magisch angezogen.

Sie ist ganz begeistert. Diese Frau ist kunstversiert. Sie hat das Auge und ein gutes Gespür für Kunst. Wir diskutieren lebhaft und mit viel Begeisterung. Spontan kauft sie das Werk „Source“ – das neuste aus der Serie „Goldene Tafeln“.

Eine tolle Begegnung, die ich hier so nicht erwartet hätte.


23. August 2018

65. Eintrag, Meiringen

Am liebsten schreibe ich das Künstlertagebuch in einem Café bei Kaffee und Kuchen, wie gerade jetzt.

Eigentlich wollte ich diesen Sommer grossformatige Universumsbilder malen, doch – wie so oft – kam es anders. Bestellungen von Kristallsonnen und Arbeiten an Naturkunstwerken und Skulpturen für kommende Ausstellungen nahmen meine Zeit in Anspruch.

An einem Sonntag nahm ich mir eine Auszeit und besuchte spontan das Kunsthaus in Luzern. Vor einem Exponat hatte ich eine Inspiration, die mich sofort begeisterte. Das Werk war gross, bunt und mosaikartig mit verschiedensten Materialien bestückt, aber unfachmännisch im Handwerk und geistlos im Ausdruck. Ich stellte mir etwas Ähnliches vor, gross, materialreich und in verschiedenen Goldtönen, erfüllt von Licht und Spirit.
Eine Serie goldener Tafeln!

Gestern wurde die erste fertig – und hier ist der Link dazu: Solar System I


31. Juli 2018

64. Eintrag, Brienzwiler

Ich lebe von der Inspiration, von Gott und der Liebe.

Der Sonne und dem Leben ist meine Kunst gewidmet.

Die Stille hier im Atelier ist überaus erhebend, und ich kann aus einer nie endenden Quelle schöpfen. Was schon immer da war, drängt sich nun in die physische Form, um sichtbar zu werden für das menschliche Auge.

Ich persönlich freue mich über die mir noch unbekannten Werke, die durch meine Hände geboren werden dürfen.


28. Juni 2018

63. Eintrag, Europa-Park Rust

Die russischen Schnitzereien hier sind phantastisch und beleben mich unglaublich. Und wenn die Inspiration zum Schreiben kommt – wie gerade jetzt mitten im Lärm und den vielen Möglichkeiten hier im Europa-Park – dann suche ich mir ein stilles Plätzchen und bringe meine Gedanken zu Papier. Weiss ich doch nur zu gut, wie flüchtig und kurzlebig die Inspiration sein kann.

David kam mit der Idee zu mir, verschiedene Kurzfilme zu meinem Kunstschaffen wie zum Beispiel “Der gelbe Sommer” oder “Corpus delicti” im Internet zu veröffentlichen. Er selber würde diese Arbeit gerne tun. Seine nun begonnenen Arbeiten sehen vielversprechend aus. Ich finde dies natürlich ganz toll!

Des weiteren läuft es bei mir im Atelier ganz wunderbar. Verschiedene Kunstwerke, die mir viel Freude machen, sind am Entstehen. Darunter zwei Skulpturen mit Holzkugeln, für die ich eben Bernsteine gefunden habe, ein Spiegel mit griechischem Rahmen, ein rundes Bild mit Rotmilan-Federn, eine alte Tür…

Dies sind auch Zeiten, in denen mich eine tiefe und stille Freude begleitet.


23. Mai 2018

62. Eintrag, Rothenburg

Gestern malte ich mein bisher grösstes Universumsbild (120 x 150 cm) und setze nun meine Idee um, grossformatige Universumsbilder zu malen, obwohl die Platzverhältnisse meines Ateliers dies kaum zulassen. Das Universum scheint riesig, also soll auch die Leinwand dementsprechend gross sein.

Nun bin ich mit meinem Roller unterwegs, um Ölfarben zu kaufen. Eine Menge verschiedener Blautöne soll es sein, damit ich heute Nachmittag noch mit der Arbeit beginnen kann. Ich habe kaum mehr Platz, weder zum Trocknen noch zum Lagern, und ich weiss auch nicht, ob ich sie je verkaufen werde. Das ist egal.

Ich muss malen.


23. April 2018

61. Eintrag, Gruyères

Zum zweiten Mal haben wir hier in Gruyères eine Ausstellung. Insgesamt sind es zwanzig Werke. Kristallsonnen, Skulpturen, Ölbilder und Naturkunstwerke.

Gemütlich ist es hier. Bei klassischer Musik und einem Dessert – Meringues mit Double-Crème, einer Spezialität von Gruyères – sind wir bereit für Begegnungen und Gespräche.

Schöne Worte und auch wahr. Doch die letzten Monate waren anstrengend. Ich vermisse es, genügend Zeit zu haben, Universumsbilder zu malen. Doch ich weiss auch, dass in den kommenden Sommermonaten meine Zeit kommen wird. Die Zeit der blauen, mystischen Räume, die endlos scheinen und mit Sternen gefüllt sind…


10. März 2018

60. Eintrag, Brienzwiler

Gestern war Hochzeit im Atelier. Das heist, das Ölbild „Voyager“ aus der Serie der Universumsbilder hat endlich nach drei Jahren nun seinen endgültigen Rahmen bekommen.

Jeweils ein ganz spezieller Moment und ein Höhepunkt für mich und das Bild. Dieser grosse Rahmen (100 x 140 cm) mit Schattenfuge habe ich in Deutschland anfertigen lassen, da ich in der Schweiz nicht fündig wurde. Nun kam der Rahmen per Lieferdienst. Alles ist gut gegangen – was nicht selbstverständlich ist – und passt auch wunderbar. „Voyager“ ist jetzt vermählt mit seinem Rahmen.

Selbst nach Feierabend ging ich mehrmals ins Atelier, um mich vor das Werk zu setzen, es zu geniessen und zu träumen…

Zum Gemälde


27. Januar 2018

59. Eintrag, Luzern

Letzten Montag kam das Fernsehen zu uns in die Galerie. Sie drehten einen 20-minütigen Beitrag über mein Kunstschaffen. Ich war in der Aufnahme holperig und angespannt, worüber ich gar nicht amüsiert bin. Obwohl ich mich vorbereitet hatte, gelang es mir nicht, entspannt und gelöst vor der Kamera zu sprechen. Naja, es gibt ja immer wieder die Möglichkeit, es ein andermal besser zu machen.

Franziska war wie immer die Ruhe selbst und kompetent. Toll, was für eine Frau. Nun, morgen Sonntag wird das Gespräch im Fernsehen ausgestrahlt.

Ich werde es mir viel später – wenn überhaupt – einmal ansehen…


19. Dezember 2017

58.  Eintrag, Wien

Wenn ich Kunst sehe, wie hier Werke von Gustav Klimt, dann werde ich äusserst lebendig und inspiriert. Es drängt mich, mit Farben loszuarbeiten und voll Freude Werke entstehen zu lassen, die Zeugnis ablegen von Begeisterung und Spirit. Das Leben ist voll von Farben. Es wäre eine Schande, davon nicht Gebrauch zu machen.
Das Leben ist nicht so, dass eins und eins zwei geben. Vielmehr gibt es drei oder vier, Möglichkeiten und Ressourcen, die nicht brachliegen sollten. Ich wünsche jedem den Mut, es zu wagen.

20.12. Café Central

Wenn ich nach Wien komme, ist es, als ob die Welt aus Musik, Literatur, Kunst, Cafés und Kuchen besteht, was mir sehr behagt und wovon ich nicht genug bekomme.

21.12. Kunstmuseum Albertina

Da ist es wieder, dieses Gefühl, das mich überkommt, wenn ich Kunstwerke anschaue.
Ich will malen – und ich denke, ich stehe noch ganz am Anfang. Nach über 2000 geschaffenen Werken juckt es mich in den Fingern, und ich ringe nach Luft.
Was für ein Genuss, diese Gefühle zu haben.

Rückflug

Mit 51 Jahren bin ich ein zufriedener Mann. Ich bin bedeutend gelassener und geduldiger als früher. Ich sehe den Moment als Geschenk, ich sehe das Leben als Geschenk.


30. November 2017

57.  Eintrag, Brienzwiler

Ein spannender und äusserst bemerkenswerter Monat geht zu Ende.

Fazit: Die Wahrheit ist, dass wir alle frei sind und die Möglichkeit haben, in jedem Moment zu entscheiden und zu wählen, was wir erfahren und erleben wollen. Somit kreieren wir unser Schicksal und das unseres Planeten.

Die Macht der Gedanken und die Wahl der Worte sind entscheidend. Wir alle sind vom selben Licht, vom selben Ursprung. In uns liegt der Ursprung des Universums verborgen.

Wir sind Geschöpfe der Unendlichkeit, äusserst kreativ und grenzenlos. Wir definieren immer wieder von Neuem, was wir erfahren und spielen wollen. Das Spiel „Mensch Sein“ währt schon lange. Nun, es besteht die Möglichkeit, jetzt aufzuwachen.

Erinnere dich und schwing dich auf zu Licht und Liebe.


31. Oktober 2017

56. Eintrag, Schweibenalp

Ich habe viel Arbeit, und oft hat der Tag zu wenig Stunden. Müde und auch oft an der Grenze meiner Kraft gehe ich früh zu Bett und schlafe tief und fest.

Ich beobachte mich selbst und denke: „Der Kerl ist verrückt. Was arbeitet denn der so viel?“

Dann halte ich inne und erlaube mir, still zu werden. Die Arbeit geht zwar weiter, doch mit einer anderen Sichtweise – ich würde sagen gelassener und entspannter, und auch die Freude ist wieder zurück. Der Tag wird zum freudvollen Erlebnis.

Ich habe einfach keine Lust mehr, mir Sorgen zu machen über tausend kleine Dinge. Ich sage mir innerlich: „Stopp. Halt. Genug.“ Schaue in die Sonne und schliesse meine Augen, spüre ihre Wärme. Und ich weiss: Alles ist gut.


30. September 2017

55.  Eintrag, Brienzwiler

Da sitzt sie nun, meine liebe Frau Franziska, vornübergebeugt am Tisch in der Stube und klebt Steinchen für Steinchen – Kristalle für die so begehrten und einzigartigen Kristallsonnen. Meditative Musik begleitet sie bei der Arbeit und eine einzigartige Atmosphäre erfüllt den Raum. Ein Anblick, der mir so vertraut und lieb ist.

Ohne sich je zu beklagen oder die Arbeit zu verweigern macht sie dies nun schon seit zwanzig Jahren. Ich verneige mich vor so viel Demut und Disziplin. Ich weiss, die Kunst ist unser gemeinsames Projekt. Steigt einer von uns aus, wäre es mit der Kunst vorbei.

Oft – wie zurzeit – muss auch am Wochenende gearbeitet und Kristalle geklebt werden. Meine Güte, was für ein Glück ich habe, eine so tolle Frau, Mutter unserer drei Kinder, liebende Wegbegleiterin, einzigartig mir vertraute Franziska zu haben.


31. August 2017

54. Eintrag, Brienz

Ein wunderbarer August neigt sich dem Ende zu.

Ein Monat, wie er aus der Sicht eines Künstlers nicht besser hätte sein können: Gute Verkäufe, tolle Begegnungen und ehrliche, tiefe Gespräche mit Menschen, die Freude an meiner Kunst haben. Eine Anfrage einer Galerie in Rom zwecks einer Ausstellung, mit der wir noch in Verhandlung sind. Und eine kurze Tagesreise per Flugzeug nach München zu meinem Steinhändler, nur um den passenden Bergkristall zu finden für ein Kunstobjekt, das zwei Tage später auch schon verkauft wurde. Dies alles machte diesen Monat zu etwas Besonderem.

Alles Glück? Ja, natürlich, aber ich denke, dass jedem geholfen wird, wenn er sich seiner Ressourcen und Fähigkeiten bewusst ist und diese kreativ und bestmöglich einsetzt.

Es braucht immer wieder von neuem Mut, sich auf so dünnen Eis (finanzielle Unsicherheit) zu bewegen. Doch es ist lebendig, aufregend und wahrhaftig.

Es ist mein Leben und das meiner Frau Franziska


28. Juli 2017

53. Eintrag, Schweibenalp

Seit Anfang Mai stelle ich hier im Zentrum der Einheit oberhalb des Brienzersees zum zweiten Mal meine Bilder aus. Auf vier Etagen sind insgesamt 37 Werke ausgestellt, und einige wurden bereits verkauft.

Einmal die Woche fahre ich hoch, um nach dem Rechten zu schauen. Ich fühle mich sehr wohl hier. Die Mischung der hier spürbaren Liebe der Menschen zur Natur, die spirituelle Ausrichtung sowie eine grosse Loyalität und Akzeptanz gegenüber anderen Menschen und Kulturen machen diesen Ort zu etwas Besonderem. Für mich ist es jeweils so, als wäre ich für kurze Zeit in den Ferien.

Wie so oft liegt das Gute gleich um die Ecke – und ich muss meine Bilder weder nach Paris, Palermo oder New York bringen…


4. Juni 2017

52. Eintrag, Brienzwiler

Eine ganz normale Ausstellung
Zum zweiten Mal stelle ich hier in Vully bei einem Winzer mit prämierten Weinen für drei Tage meine Werke aus. In einem zirka zwanzig Quadratmeter grossen Raum ist mir doch eine ganz ansehnliche Ausstellung gelungen.

Doch ich habe meine liebe Mühe, hier zu warten – bei schönstem Wetter – auf Kundschaft, welche sich vielleicht ein Kunstwerk leisten könnte. Ich gönne mir ein feines Mittagessen und ein Bad im Murtensee, um meine Stimmung aufzuheitern. Franziska ist positiv die ganze Zeit und wie so oft im Gegensatz zu mir frohen Mutes.

Ich tue mich schwer, hier zu sein und auf Kunstinteressenten zu warten. Bei Gesprächen jedoch mit Besuchern lasse ich meine inneren Stimmungsschwankungen in keiner Weise nach aussen treten, was ja nicht professionell wäre und – wie ich aus Erfahrung weiss – schlecht für das Geschäft ist.

Am dritten Tag fange ich verfrüht mit dem Abräumen an. Und plötzlich – beim Einpacken – steht eine Gruppe von zehn Leuten im Ausstellungsraum. Sie sind ganz begeistert, und ein Herr kauft spontan ein Werk für sich und seine Frau. All die Sorgen und Nöte, welche mich immer wieder heimsuchen, sind verflogen. Zufrieden und glücklich fahren wir nach Hause – und werden nächstes Jahr wieder kommen.

Fazit für mich: Lebe im Jetzt und lasse dich tragen vom guten Geist, der für jeden da ist, der sich ihm hingeben kann.


28. April 2017

51. Eintrag, Brienzwiler

Franziska ist für zwei Tage ausser Haus. Ich nutze die Zeit im Atelier und male vier kleinformatige Ölbilder zum Thema Universum.

Ich kann es logisch nicht erklären, doch ich fühle, dass es im Universum so viel Leben und Realitäten gibt, die für das menschliche Auge und dessen Verstand schwer zu verstehen, einzuordnen und zu akzeptieren sind. Jedenfalls erlaube ich mir die Freiheit, als Künstler diese schöne Thematik umzusetzen.

Das Leben gibt sich selbst die Möglichkeit, sich ständig den Umständen entsprechend anzupassen, um sich weiter zu erfahren und auszudrücken.

Ich denke, es zeugt von einem armseligen Geist anzunehmen, die Erde sei der einzige bewohnbare Planet und alles andere da draussen sei bloss Dekor.

Tja, wir werden sehen.


30. März 2017

50. Eintrag, Brienzwiler

Die Zusammenarbeit mit unserem Galeristen Jacob neigt sich nun dem Ende zu. Sein neuer Vertrag ist für mich wirtschaftlich uninteressant, mit grossem Risiko. Für viele Künstler geht die Rechnung wohl auf, wenn sie nebenbei einen Job haben. Von 5000 Künstlern ist einer selbständig. Der muss wohlüberlegt mit den Finanzen umgehen.

Morgen hole ich alle meine Werke ab.

Viele Eindrücke und Erkenntnisse säumen meinen Weg des vergangenen Jahres. Alles in allem ist das Geschäft mit der Kunst ein Business und ein Spiel, in dem es Wahrheit von Bluff zu unterscheiden gilt.

Nichtsdestotrotz gehe ich weiter – mit meiner Frau an meiner Seite. Was mir wirklich wichtig ist, ist das Sakrale in der Kunst, was für mich bedeutet, dass in einem Kunstwerk eine höhere geistige Ausrichtung wahrnehmbar sein muss.

Ich bin ganz glücklich, in dieser Richtung weiter zu arbeiten.


24. Februar 2017

49. Eintrag, Brienzwiler

Geschafft?

Bei einem Gespräch über Kunst mit einer Coiffeuse beim Haare Schneiden meinte sie, ich hätte es also geschafft. Diese Aussage beschäftigte mich noch eine ganze Weile.

Tja, wann hat man es denn geschafft? Und was?

Offenbar wenn man in New York und Paris ausgestellt, über 1600 Werke verkauft und seit 20 Jahren als selbständiger Künstler mit einer fünfköpfigen Familie von der Kunst gelebt hat.

Tönt alles wunderbar und eindrucksvoll. Und in diesem Sinne habe ich es wohl geschafft.

Doch diese Äusserlichkeiten und Erfolge sind so flüchtig wie der Duft von Vergissmeinnicht meiner Kindheit. Sie sind keine Garantie für meine innere Zufriedenheit und Gelassenheit.


27. Januar 2017

48. Eintrag, Brienzwiler

Ausstellung in Paris

Wir sind um 4 Uhr in der Früh mit 14 Werken nach Paris losgefahren, um pünktlich um 13 Uhr bei der Galerie Thuillier anzukommen, was auch wunderbar geklappt hat.

Diese Stadt macht mich nervös. Eine Hektik von früh bis spät. Autos, Lärm, Menschen, Schicksale. Kinder, die in der U-Bahn betteln, stimmen mich traurig. Paläste, Museen, Geschichte, so mannigfaltig und eigen. Und Kunst – hmm – ganz lecker und vom Feinsten.

Musée d’Orsay gefällt mir. Ich habe hier so viel Kunst gesehen, dass ich mich als Künstler selber infrage stellen muss. Jetzt, da ich wieder Zuhause bin, schaue ich sehr kritisch auf die von mir geschaffenen Werke und komme zum Entschluss, dass ich ganz gut gearbeitet habe. Und dass jede Zeit ihre Anforderungen, Vorstellungen und Herausforderungen hat, die es gilt anzunehmen und – in der Tat – das Bestmögliche daraus zu machen.

Die Vernissage war toll und erfolgreich. Ich bin ganz froh, in einem Dorf zu leben mit nur 490 Einwohnern, im Grünen, mit weissen Bergen.


27. Dezember 2016

47. Eintrag, Brienzwiler

Wien – eine wahrhaft inspirierende Stadt! Die Ausstellung in der Albertina über Pointillismus war ein Augenschmaus und beflügelte mich sofort, zu Hause mit Gelbtönen zu arbeiten.

Ich habe heute vier Bilder gemalt. Drei im Format 34 x 55 cm mit den Titeln Sunset, Solara und Sunny Eye, eins im Format 50 x 80 cm mit dem Namen Sonnenland. Alle sind im Format des Goldenen Schnitts, ein Bildmass, das mir besonders liegt.

Ich geniesse es, noch vor Jahresende so viel Schwung und Energie zu haben, um noch so gelungene Bilder malen zu können. Vier Bilder an einem Tag, das ist schon grenzwertig, doch das gibt’s schon mal bei mir, wenn einfach alles stimmt.

Ich mache einen tiefen Atemzug – und bin dankbar.


28. November 2016

46. Eintrag, Brienzwiler

Auch das gehört dazu – über Stunden zu arbeiten, mit Ölfarben Sonnenbilder zu malen – und doch bleibt am Abend nichts anderes übrig als drei gelb grundierte Leinwände.

Tage wie diese sind übel.

Ich investiere Material wie Pinsel, Ölfarben, Terpentinöl, Leinwände und Zeit, trage Schicht für Schicht Farbe auf, nur um sie später wieder abzuspachteln, und quäle mich mit einem Bildmass von 50×60 cm, welches doch so ganz und gar nicht mir entspricht, nur um mir am Schluss selbst einzugestehen, dass absolut nichts daraus geworden ist.

Es gibt halt Galerien, die haben gerne Masse innerhalb bestimmter Dimensionen, nicht zu klein, nicht zu gross, und wenn möglich noch alles mit demselben Rahmenmodell gerahmt.

Mir schnürt es allmählich die Kehle zu. Es ist höchste Zeit für mich, wieder ganz mir selbst treu zu sein.


14. November 2016

45. Eintrag, Brienzwiler

Heute bin ich 50-jährig geworden – und ich bin ganz zufrieden mit allem, was ich bis anhin erreicht habe.

Ich denke oft über mein Leben nach, über die Vergänglichkeit und das noch Kommende. Ich glaube, es ist wichtig, mit sich und dem Leben zufrieden zu sein, die täglichen Herausforderungen bestmöglich anzugehen und sie so zu lösen, dass es für einen selbst in Ordnung ist.

So ist es auch für mich speziell in der Kunst immer wieder eine Herausforderung, meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Da kommen zum Beispiel von Galeristen ganz neue Ideen und Gedanken, die ich erst sortieren muss und je nachdem auch umsetzen werde.

Dieses Jahr hat sich mir die Möglichkeit eröffnet, meine Kunst international auszustellen, dank einem doppelseitigen Bericht in einem Art & Design-Journal, das in namhafte Galerien weltweit versendet wird. Ich erlebe viele spannende Momente – und bin dankbar.


30. September 2016

44. Eintrag, Brienzwiler

Wie der Sommer vergeht! Und es ist höchste Zeit für einen Tagebuch-Eintrag.

Ich arbeite viel und lange. Kristallsonnen, Naturkunstwerke und Ölbilder sind ständig am Entstehen. Und die Ideen sind stets vorhanden. Das kleine Atelier bremst mich immer wieder in meiner Phase des kreativen Schöpfungsprozesses.

Ich würde gerne ein Jahr lang jeden Tag ein Ölbild malen. Dieses Projekt, diesen Traum habe ich schon einige Zeit in meinen Gedanken, und irgendwann wird es möglich sein, dies umzusetzen.

Die zwei Universumsbilder, welche zurzeit in New York ausgestellt sind, finden Anerkennung. Ein Kurator wurde darauf aufmerksam und hat mich für eine Solo-Ausstellung im Dezember 2019 nach Manhattan eingeladen. Ich habe zugesagt. Bin happy.


26. Juli 2016

43. Eintrag, Brienzwiler

Die neue, dynamische Homepage ist nun fertig. Franziska hatte enorm viel zu tun, bis jedes Bild seinen Platz gefunden hatte und der dazu gehörende Text in vier Sprachen übersetzt war. Ich bin sehr dankbar für ihre geleistete Arbeit und freue mich über die gelungene neue Webseite.

Es sind Sommerferien und ich habe viel zu tun. Ausstellungen im Herbst, auf die ich nun intensiv arbeite. Es gefällt mir. Die Tage sind lebendig und haben oft zu wenig Stunden.

Morgen gehen wir mit unseren Kindern für zwei Tage in den Europapark. Ein Ort des Märchenhaften, der Farben, Klänge, Düfte und Schlemmereien, wo Unmögliches möglich wird.

Es tut gut, einfach mal den Alltag zu vergessen…


31. Mai 2016

42. Eintrag, Brienzwiler

New York?

Ein Angebot, ich könnte zwei Bilder ausstellen in einer Galerie in New York Nähe Central Park, steht im Raum.

Nach einigen Überlegungen und in Absprache mit Franziska stimme ich zu. Natürlich sind einige Auflagen damit verbunden, daher mein anfängliches Zögern, z. B. Frachtkosten gehen auf meine Rechnung, und pro Bild zahle ich Miete für drei Monate.

Alles in allem bin ich aber frohen Mutes und sehe eine Chance, etwas zu wagen, und – die Freude überwiegt. Wie doch mein Galerist Jacob stets zu sagen pflegt:

„Lebe deine Träume und träume das Unglaubliche“


30. April 2016

41. Eintrag, Lugano

Bin hier in Lugano an einer Ausstellung (Tisana) und habe Zeit, ein paar Gedanken festzuhalten…

…Ich möchte so viel erzählen und schreiben, doch bin ich auch müde und erschöpft vom Leben…

…Um meine Werke zu verstehen, braucht es nicht viel. Ein offenes Herz genügt völlig…

…Das Schöne am Malen ist, dass ich eine kleine Geschichte aus dem Universum hier auf der Erde erzählen darf…

…Die Art und Weise, nicht ganzheitlich zu denken und zu handeln, ist ein Versagen gegenüber der Schöpfung und deren Intelligenz…

…Man kann es drehen und wenden wie man will, eins ist gewiss, die Sonne geht auch morgen wieder auf…


31. März 2016

40. Eintrag, Brienzwiler

Die Vernissage in St. Légier war sehr vielseitig, bunt und amüsant. Kunst zum Bestaunen und Kaufen. Für jeden Geschmack hatte es wohl etwas dabei. Trotzdem habe ich mich köstlich amüsiert mit Wein und kleinen, wohlproportionierten Fresshäppchen.

Das Publikum war international. Man sprach französisch, italienisch, englisch und deutsch.
Eine Begegnung mit einer Dame war schön. Ihre Begeisterung gegenüber meinen Universumsbildern blieb mir nachhaltig im Gedächtnis. So meinte sie, je länger sie nun hier sei und die Bilder auf sich wirken lasse, umso mehr sehe sie die Details, Strukturen und Linien. Ja, sie bewege sich nun fast wie im Universum, dabei betrachte sie es doch nur.

Ein schönes Feedback für mich und eine gelungene Vernissage.


29. Februar 2016

39. Eintrag, Brienzwiler

Nach wie vor arbeite ich an Universumsbildern und – wirtschaftshalber – auch immer wieder an Kristallsonnen.

Es läuft mir leicht und flott von der Hand. Ich lasse den Dingen ihren Lauf und bin ganz zufrieden mit dem, was jetzt, in dem Moment, da ist. Ich dränge mich nicht zu einem hohen Arbeitstempo, gönne mir auch mal ein Zehn-Minuten-Schläfchen, ohne dass dabei die Arbeit, welche doch getan werden muss, zu kurz käme.

Ob Kristallsonnen nun Kunst sind oder nicht, darüber lässt sich streiten. Tatsache jedoch ist, dass sie sehr vielen Menschen Freude bereiten. Und das wiederum ist doch ein ganz wichtiger Aspekt in der Kunst.


13. Februar 2016

38. Eintrag, Appenzell

Ein grosses Bild ist entstanden am 31.12.2015, 100 x 140 cm. Ich nenne es „Voyager“. Bin sehr begeistert über das, was entstanden ist. Und bin bereit, diese Ebene nun zu verlassen. Es ist so, als ob es nun vollbracht worden ist, was ich hier durch die Kunst zum Ausdruck bringen wollte.

Ich fühle mich so erfüllt…, wenn ein für mich so phantastisches Bild entsteht, in einem Guss. Oft ist dies nicht so, und ich ringe mit den Farben und der Leinwand. Meine Sicherheit wächst mit jedem neuen Bild. Und immer wieder dünkt es mich, dass keine Steigerung mehr möglich ist. Doch Wunder geschehen… und im Gespräch mit Gott oder dem Unendlichen scheint es keine Grenzen zu geben.

Mit dem Bild „Golden Globe“, welches gestern entstanden ist, wurde noch eins draufgelegt.


30. Dezember 2015

37. Eintrag, Brienzwiler

Bevor das Jahr zu Ende geht, habe ich doch das Bedürfnis, noch ein paar Gedanken niederzuschreiben.

Das Atelier ist nun ordentlich aufgeräumt, und alles ist bereitgestellt für die Ölmalerei. Es fällt mir schwer, mich zu entscheiden: Soll ich mit Universumsbildern anfangen in Blautönen oder mit Sonnenbildern in Gelbtönen?

Alles in mir ist gespannt und ein Kribbeln gleich einer elektrischen Spannung durchströmt meinen Körper und das Atelier. Meine Augen beginnen zu glänzen in Anbetracht all der Ölfarben, Spachtel und Leinwänden, die nun bereit stehen. Es ist genau diese Spannung, welche ich benötige, um dann richtig loszulegen. Es kann dann schon mal passieren, dass dann drei Bilder an einem Tag entstehen.

Noch sind sie im Dunkeln, die Bilder, welche nun sichtbar gemacht werden wollen.

Es ist für mich jeweils schwierig, aus diesem Schöpfungsprozess auszusteigen und zu pausieren, besonders dann, wenn – so wie jetzt – in den kommenden Tagen Besuch ansteht. Ich brauche eine gewisse Anlaufzeit, bis die ausdrucksstarken Bilder zum Vorschein kommen. Ich werde morgen früh trotzdem beginnen…


30. November 2015

36. Eintrag, Brienzwiler

Die Begegnung in Montreux mit einem Galeristen war aussergewöhnlich. Es wird sich zeigen, ob sich mein Traum in den nächsten Jahren erfüllen wird. Ich bin guter Hoffnung.


28. Oktober 2015

35. Eintrag, Brienz

Nun steht sie, die grösste und repräsentativste Ausstellung, die ich je hatte. Im Stadthaus Kloten kann ich auf 7 Etagen insgesamt 61 Werke ausstellen. Auf jeder Etage ein anderes Thema.

Die Vernissage war ganz nett und angenehm. 15 Leute kamen, und nichts wurde gekauft. Was mich gar nicht weiter beunruhigt. Die Ausstellung ist für mich ganz wunderbar. In aller Ruhe und Stille geniesse ich die Präsentation wie ein Fremder. Ich schaue mir die Werke genau an und mache eine Zeitreise durch 20 Jahren Kunstschaffen. Die Werke wirken so anders in diesen Räumlichkeiten, und mir fallen Kompositionen auf, welche ich bis anhin nicht bemerkte. Ich bin ganz entzückt und zufrieden über das Geleistete und mache mich auf zu neuen Taten.

An Ideen mangelt es mir nie. Und solange das Jucken in den Fingern vorhanden ist und die Ideen da sind, ist alles gut…


17. August 2015

34. Eintrag, Brienzwiler

Kurzgedanken während der Arbeit im Atelier…

Ich kann nicht sagen, dass mich die Auseinandersetzung mit Kunst beflügelt, aber sie macht mich glücklich.

Manchmal arbeite ich ohne grosses Konzept oder Ziel. Und oft geschieht es in jenen Momenten, in der Kunst entsteht, die mir ein „Wow“ von den Lippen lockt.

Wenn die Hände arbeiten wollen, lass sie arbeiten, damit sie ihr Werk tun können. Auch wenn sie schnell und flink sind.

Gute Kunst hat immer etwas mit dem grossen, unsichtbaren Geist zu tun. Warum ich dies weiss? Ich fühle es.

All die Jahre erlebte ich Wunder, auch wenn ich dies oft erst später bemerkte.

Das grösste Hindernis in meinem Leben war immer ich selbst. Der Weg war immer offen und lag vor mir. Ich war oft nicht fähig, ihn zu sehen.


30. Juli 2015

33. Eintrag, Brienzwiler

Erste Arbeiten von „Kunst, die durchs Feuer geht“ entstehen.

Eigentlich ist es schon ein bisschen verrückt, Kunstwerke zu machen, mit viel Mühe und Präzision zu schleifen, zu malen, zu fräsen und zuzuschneiden, um sie am Schluss dem Feuer zu übergeben. Doch – etwas Neues kann entstehen.

Ein wunderbarer Gedanke von Werden, Vergehen und Neu-Entstehen. So wie es täglich ganz natürlich in jedem Augenblick passiert.

Auch wenn ich mir dabei die Finger verbrenne.


29. Juni 2015

32. Eintrag, Brienzwiler

Ein äusserst vielseitiger Monat neigt sich dem Ende entgegen. Was so trostlos begann, entwickelte sich ständig zu einem facettenreichen, angenehmen und aufbauenden Schluss-Crescendo. Auch das Wetter zeigt sich wieder von der besten Seite. Ein sommerliches Hoch mit Temperaturen von über 30 Grad hat sich nun eingestellt.

Und ich habe Lust zu arbeiten. Mit dieser Hitze. „Kunst, die durchs Feuer geht“ – dieser Gedanke, welchen ich gestern beim morgendlichen Spaziergang mit meinem Hund hatte, begleitet und inspiriert mich. Konkret heisst das, dass ich mehr mit Feuer arbeiten werde, besonders im skulpturalen Bereich.

Das Schöne an der Kunst ist, die Grenzenlosigkeit von Möglichkeiten wahrzunehmen und einige Ideen umzusetzen. Natürlich mit Begeisterung.


26. Mai 2015

31. Eintrag, Brienzwiler

Ich weiss nicht, ob ich noch Kraft genug habe, bis 65 von der Kunst leben zu können. Wenn ich darüber nachdenke, wird es mir ganz bange. Es ist ständig eine Gratwanderung, und nicht viel braucht’s, und vorbei ist’s mit der Kunst, was ich jedoch zutiefst bedauern würde.

Wenn ich nach draussen schaue, sehe ich Regen, Regen, Regen und das seit Tagen. Es ist trüb und kalt. Es scheint so, die Natur widerspiegelt meinen jetzigen Zustand. Wenn nicht die Gewissheit auf sonnige Tage bestehen würde, ich wäre verloren. Ich würde den Tod willkommen heissen.


29. April 2015

30. Eintrag, Brienzwiler

Ich arbeite intensiv an der Serie „Compositions sacrales“, und ja, es ist schon so, je intensiver ich mich mit diesem Thema beschäftige und auseinandersetze, desto mehr Möglichkeiten sehe ich in der Gestaltung und deren Variabilität.

Ich stelle fest, dass, wenn ich mich mit einem Thema beschäftige und mich darin vertiefe, es Werke gibt, die besonders sind und sich gegenüber den anderen hervorheben. Bei einer Ausstellung wird dies durch die Besucher oft bestätigt. Jedes vorherige Bild ist aber wichtig, da es zur Entwicklung des Gesamten beiträgt.

Schönes und Erhabenes in künstlerische Form zu bringen, um das Wesentliche sichtbar zu machen, liegt mir sehr am Herzen.

Die Schönheit liegt oft in der Einfachheit.


30. März 2015

29. Eintrag, Brienz

Hmm, heute habe ich keine Lust, über Kunst zu schreiben. Einfach darum, weil einige Arbeiten sich erst in meinem Inneren zur Klarheit formen müssen. Und es schade wäre, etwas vorab zu nehmen, das noch nicht reif ist, sich zu zeigen.

Die Sonne ist das Herz des Himmels, sie gibt uns Trost an trüben Tagen.

Nicht dass ich in Trübsal wäre, nein, es ist einfach still in mir. Und ich lausche, lausche in die Stille, welche so wohltuend und ohne Leere ist.

Ich weiss, bald kommt die Zeit, die mich so in Anspruch nehmen wird, dass all meine Ideen und all meine Energie kaum Platz in einem Zwölf-Stunden-Tag haben. Jene Tage werden sein wie Träume, sie vergehen so schnell.

Was bleibt, sind Kunstwerke…


14. Februar 2015

28. Eintrag, Brienzwiler

Ich bin erleichtert, die Galerie in Grosshöchstetten zu schliessen auf Ende März 2015. Der Grund ist, dass sich Aufwand und Ertrag nicht so in Balance halten, wie ich es gerne hätte. Ein Traum, welcher nach nur einem Jahr sein Ende findet. Und natürlich gibt es noch weitere Gründe, die mich zu diesem Entschluss bewogen haben.

Alles in allem eine gute Erfahrung in meiner künstlerischen Laufbahn, die mich weiter bringt und in vielen Dingen bestätigt hat.

Weiter habe ich meinen Lagerraum gezügelt, von Brienzwiler nach Brienz. Das Tolle daran ist, dass zusätzlich zum Lager- auch ein Ausstellungsraum vorhanden ist, in dem ich meine Werke präsentiere, direkt an der Hauptstrasse in Brienz.

Fazit: Alles kommt und geht, ist im Wandel und Umbruch. Es sind Bewegungen des Lebens, die ich mag, die das Leben spannend und lebendig machen.

Und dies allzeit mit einem liebevollen, unterstützenden Menschen an meiner Seite – meiner Frau Franziska.


14. November 2015

27. Eintrag, Kunsthaus Bern

Ich habe die Angewohnheit – und das seit meiner Jugend -, dass, wenn ich in einem Kunstmuseum bin, wie das hier der Fall ist, und ich mich mit den Bildern und Kunstwerken auseinandergesetzt habe, ich wildfremde Leute anspreche und sie frage, wie sie dies oder jenes Kunstwerk finden, was sie dabei denken und fühlen. Es ist für mich lehrreich, die Ansichten anderer kunstinteressierter Menschen zu erfahren, ihre Gedanken und Bewegungen. Ich setze sie in Vergleich zu meinen eigenen und ziehe Schlüsse daraus.

Und wenn ich mich nicht beherrsche, quillt es über, und ein Schwall von Worten überflutet mein Gegenüber. Ich sehe es in ihren Gesichtern, wie ich sie überfordere. Häufig ziehe ich mich dann zurück. Und wenn es gar zu arg war, entschuldige ich mich.

Es ist schon so, die Leidenschaft bricht immer wieder durch. Wer’s nicht glaubt, kann sich gerne mal mit meiner Frau Franziska unterhalten. Nun, ja, trotz aller Unannehmlichkeiten, die mir meine Leidenschaft in meinem Leben eingebrockt, liebe ich sie. Denn sie gibt mir das Gefühl, wahrhaftig zu leben, lebendig zu sein.

Ja, und somit wünsche ich mir heute einen leidenschaftlichen Geburtstag!


31. Oktober 2014

26. Eintrag, Brienzwiler

Begegnungen wie jene in Crossen (Nähe Leipzig) sind zwar anstrengend, was die Distanz betrifft (750 km), mit Staus und dem ganzen Paket von Autobahn-Unannehmlichkeiten, doch war die Reise auch eine mit Überraschungen erfüllte Zeit.

Für eine Bekannte, welche ein Yoga-Zentrum eröffnete, durften wir als Ehrengäste eine Kristallsonne überbringen. Ein heller Raum, mit viel Liebe und fachmännischem Wissen erschaffen, welcher den Besucher in einen Zustand von Geborgenheit und Einkehr versetzt. Eine farbige Wand für die Kristallsonne, deren Violett etwas Grau beigemischt wurde, ein weicher Eindruck. Ganz angenehm, fein und zart duftend spricht der Raum zu mir, lieblich und ganz und gar wie die Yoga-Leiterin.

Es sind wunderbare Momente, in denen ich mich zurücklehne und geniesse: Die Begegnungen, die Gespräche, Das Essen, das Hotelzimmer, Zeit mit meiner Frau und das Gefühl, ein Künstler zu sein.


30. September 2014

25. Eintrag, Brienzwiler

Eigentlich geht alles über Farb- und Formempfinden. Das AUGE schaut auf die Details. Die EMPFINDUNG zeigt mir, ob die verschiedenen Materialien, Verhältnisse und Farben stimmig zusammenspielen, in einer Balance zwischen Spannung und Harmonie.

Ich suche und ringe, damit sich das Werk so entfaltet, dass es zur entscheidenden Aussage kommt. Eine gewisse Sakralität muss für mich spürbar sein. Diese Sakralität in den Werken ist für mich entscheidend wichtig. Sie ist der Grund, warum ich so arbeitsam und produktiv bin. Würde ich meine Kunst mit einem Wort beschreiben, wäre dies wohl das Wort „Sakralismus“.

Gerade jetzt arbeite ich mit den Farben Weiss und Silber in schwarzen Objektrahmen im Format 24×30 cm. An die 15-20 Stück sollen es am Schluss sein. Ich sehe sie bereits in einer Reihe, eins berührender als das andere. Ich habe mir vorgenommen, jede Woche eines fertigzustellen. Vier sind bereits entstanden. Ich nenne sie „Composition sacrale“.

 


14. August 2014

24. Eintrag, Grosshöchstetten

Ich bin glücklich, hier in Grosshöchstetten zu sehen, wie ein Traum wahr wird.

In einer eigenen Galerie Bilder und Werke zu präsentieren, auszustellen in einem lichtdurchfluteten Raum mit viel Platz ist wohl so, als ob man nach den Sternen greifen würde und der Himmel antwortet.

Ich strich einige Wände in den Pastelltönen Blau, Gelb und Grün sowie in kräftigem Weinrot. Sie setzen Akzente und nehmen dem sterilen Weiss die Kühle und Distanz. Die Kunstwerke fangen an, eine andere Sprache zu sprechen, wenn z. B. ein tief dunkelblaues Bild auf einem transparenten Himmelblau platziert wird. Diese Spannung zwischen den Farben, die sich da aufbaut, empfinde ich als äusserst betörend, so als ob flüssiger Honig meinen Gaumen kitzelt. Diese Süsse verzaubert alle meine Sinne.

Ob es andere wohl auch so empfinden?


13. Juli 2014

23. Eintrag, Avebury

Heute früh um sechs Uhr fuhr ich mit Franziska zum Silbury Hill, und wir wurden mit einem neuen Kornkreis, der gestern bei unserer Ankunft noch nicht da war, beschenkt. Was für eine Aufregung!

In der Traktorlinie gehen wir zum Kornkreis hinein und staunen, wie präzise und wie in einem Wurf das Getreide abgelegt wurde, mit links- und rechtsdrehenden Bewegungen. Der Durchmesser beträgt ca. 50 Meter. Schnell machen wir Fotos, fahren zurück zu unserem B&B, sagen der Gastgeberin Bescheid und wecken unsere Kinder. Unsere Gastgeberin sendet unsere Fotos sofort weiter zu den lokalen Kornkreisforschern, während wir nach dem Frühstück mit unseren Kindern nochmals zum Kornkreis fahren. Wir sind aufgekratzt und staunen, diskutieren, und jeder zieht seine eigenen Schlüsse.

Wir sind nicht diejenigen, die sich meditierend im Lotussitz in den Kornkreis setzen, um etwas zu fühlen und gewahr zu werden, nein, wir sind äusserst lebendig, heiter und redselig. Um zehn Uhr kommt ein Traktor und mäht den Kornkreis aus dem Feld weg. Traurig. Später erfahren wir mehr über die Bauern, die Leute und ihr Verhältnis zu den Kornkreisen. Und vieles wird verständlich.

Eine alte Frau, 85-jährig, erzählt uns, wie sie als Kinder in den Kreisen spielten, und die Erwachsenen hätten kaum Notiz davon genommen, weil täglich viel Arbeit zu verrichten war.

Michael, ein 83-jähriger Architekt und Designer, der sich intensivst seit 25 Jahren mit Kornkreisen beschäftigt und diverse Bücher darüber geschrieben hat, gab uns bei Tee und Kuchen neue und interessante Sichtweisen über diese geometrischen und z.T. sehr komplexen Kornkreise. Zum Schluss meinte er, unser Kornkreis sei ein Himmelskuss. Das war die Message, und ich/wir waren berührt.

Inspirierend der Gedanke, den heutigen Kornkreis künstlerisch umzusetzen…


13. Juni 2014

22. Eintrag, Bern

Heiss sind die Tage, die Sonne brennt, und ja – ich liebe es. Mit wenig Bekleidung arbeite ich im Atelier, in Gedanken verloren, nur das Gezwitscher der brütenden Mehlschwalben begleitet mich. Friedlich sind die Tage, sie nähren mich. Geben mir Raum, klar zu werden über so manche Dinge. Besonders über die Vergänglichkeit des Lebens.

Obwohl die täglichen, ja stündlichen Veränderungen der Natur dies mir allzeit in einer stillen, zuversichtlichen Form offenbaren, ist da auch ein Teil in mir, der dies als Schmerz empfindet. Nicht flüchtig, wie ich es gern hätte, nein – hartnäckig und tiefsitzend. Ich arrangiere mich damit und nehme es inzwischen als etwas, womit ich Frieden schliesse.

Ich sehe es als Bereicherung und als eine Bewegung, die mich dorthin führt, wo ich die Wahrheit spüre. Ich nehme es als Inspiration für kommende Werke…

Mein Vater hat diese Ebene vor zwei Wochen verlassen.


2. Mai 2014

21. Eintrag, Kunstmuseum Bern

Es sind Orte wie dieser hier, wo ich mich wohl, inspiriert und Zuhause fühle. Ein Kunstmuseum zu besuchen heisst für mich Herunterfahren vom Alltag und ein Sich-fallen-Lassen. Ein Ankommen auf der Plattform des eigenen Seins. Ich geniesse den Moment – und erlaube mir Kaffee und Kuchen.

Die Eröffnungstage in Grosshöchstetten sind vorüber und die „Kunst im roten Haus“ eröffnet. Nun ja, wie soll ich es beschreiben… viele Gespräche über Kunst, Formen, Farben, Leben, Musik und – wie so oft – Geld und Frauen. Es sind Begegnungen und Gespräche, die mir gut tun. In meinem Wohnumfeld in Brienzwiler fehlen sie mir oft.

Ich fühle mich glücklich und bereichert, dass sich in Grosshöchstetten diese Möglichkeit aufgetan hat, Kunstwerke – auch grossformatige – zeigen zu können. Die Ausstellungsräumlichkeiten haben den Hauch eines musealen Charakters, was mir ganz zusagt, und was ich erst jetzt – nach getaner Arbeit – wahrnehme.

Zum Schluss eine tolle Nachricht: Manchmal ist es eben doch gut, Klartext zu sprechen und seinem Unmut Ausdruck zu geben, und siehe da: Plötzlich gibt es wieder Ölfarben in 5-kg-Eimern. Halleluja!


21. Februar 2014

20. Eintrag, Brienzwiler

Manchmal braucht man lange, um sich selbst zu entdecken, um zu sehen, was eigentlich die Kernaussage des eigenen Kunstschaffens ist. Mitten in der Arbeit einer Holzskulptur halte ich inne und lausche den stillen Gedanken und gebe diese hier nun zum Besten.

In Gedanken sitze ich im Zug, schaue aus dem Fenster und sehe keine Landschaften, keine Wälder, keine Berge, keine Seen und auch keine Dörfer, nein, ich sehe all die von mir geschaffenen Kunstwerke vorbeiziehen und erkenne die Natur, die Liebe zu ihr und ihrer Vielfalt.

Ich sehe diese Zuwendung, das Gefühl der Ehrfurcht, und ja, ich möchte sagen, es sind die sakralen Momente, die mich so erfüllen und begeistern, begeistern zum Weiterarbeiten mit Gold, Holz, Steinen, Feuer und Sonnen…


29. Januar 2014

19. Eintrag, Brienzwiler

Bald ist es soweit, und eine neue, zusätzliche Ausstellungsplattform öffnet am 7. Februar seine Tore. Auf circa 130 Quadratmeter Fläche stellen wir – Beat Stähli, ein guter Freund von mir, Holzbildhauer aus Brienz, und ich – Kunstwerke aus. Ölbilder, Sonnenbilder, Klangbilder, Kristallsonnen, Bronzesonnen, Installationen und Skulpturen in Holz kann sich der Kunstinteressierte in einer lichtdurchfluteten Galerie zu Gemüte führen.

Mit viel Engagement und Ausdauer ist der Traum von Willi Biser Wirklichkeit geworden. Willi Biser hat seit vielen Jahren in Grosshöchstetten ein Geschäft mit Haushaltapparaten. Das neue Gebäude an der Bernstrasse ist offen und mit seiner dunkelroten Farbe unübersehbar. Die Kombination von einem Miele-Kompetenzzentrum im Erdgeschoss und einer Galerie im Dachgeschoss ist für jeden Besucher ein Erlebnis der besonderen Art.

Ich freue mich, und es ist mir eine Ehre, hier meine Werke präsentieren zu dürfen, in einer sich wandelnden Dauerausstellung. Eine weitere Herausforderung in meiner künstlerischen Tätigkeit, die mich beflügelt, inspiriert und auch an Grenzen bringt.


26. Dezember 2013

18. Eintrag, Brienzwiler

Ärgerlich, wenn man plötzlich erfährt, dass Ölfarben nur noch in kleinen Tuben von maximal 290 ml erhältlich sind. Äusserst ärgerlich, wenn man als jahrelanger, treuer Kunde sich abspeisen lassen muss von Angestellten mit Sprüchen wie: Die Nachfrage von grossen Mengen (5 kg-Ölfarben-Büchsen) seien nicht mehr gefragt und der Produzent sei nicht interessiert, weiterhin zu produzieren, weil der Absatz eben nicht den gewünschten Umsatz generiere. Aus meiner Sicht wäre es eine Lösung, neben Tuben von 290 ml grössere Einheiten von 500 ml und 1000 ml zu produzieren. Die Austrocknung von einem angefangenen Gebinde wäre dann auch nicht mehr so schlimm wie bei der 5-kg-Büchse. Es ist halt einfach eine Frage des Willens.

Nebenbei noch ein kleiner Zahlenvergleich: 1 Büchse à 5 kg Ölfarbe kostet Fr. 196.-, 1 Tube à 290 ml kostet Fr. 25.-.17 Tuben ergeben 4,93 kg und kosten Fr. 425.-. Das sind Mehrkosten von 229 Franken. Dem sagt man auch „verdeckte Preiserhöhung“. Was mir bleibt, ist, bei meinem Künstlermaterial-Lieferanten weiterhin den Finger auf diesen Punkt zu legen und mächtig zu motzen. Ich mache viele Telefonate und suche im Ausland Restposten von 5-kg-Ölfarben-Büchsen in Gelbtönen. Und – weiss Gott – gibt es angenehmere Arbeiten. Wir leben im 21. Jahrhundert, und es ist ab 2014 nicht mehr möglich, farbige Ölfarben in Einheiten von über 290 ml zu bekommen, ausser – wie kann es anders sein – weiss und schwarz.

Happy New Year!


11. November 2013

17. Eintrag, Amsterdam

Nun sitze ich hier im Café Tambourin im Van-Gogh-Museum mit Franziska. Nach einer vierstündigen Ausstellungstour lasse ich meine Eindrücke zu Papier kommen.

Vieles kann man ja sagen über diesen so ehrlichen, authentischen, dem Licht und den Farben zugewandten Künstler – eines war er sicher nicht: ein Verrückter. Ich bin froh, dass Franziska bei mir ist. Unsere Eindrücke dieses genialen Künstlers lassen uns still werden. Ich glaube nicht, dass ich die Kraft hätte, als Künstler ein solch darbendes und geächtetes Leben zu führen, im Wissen, dass kein Interesse da ist, keiner ein Kunstwerk kauft, und trotzdem nicht aufzugeben. Diesem Künstler gehört mein ganzes Mitgefühl.

Alles, was ich hier und im Rijksmuseum gesehen habe, erfüllt mein Innerstes. Und wie eine Lawine, die zu Tal donnert, wird sich die Wucht meiner Eindrücke entladen…


19. September 2013

16. Eintrag, Bern

Mein Bart wächst und wächst, und es gibt Leute, welche mich nicht wiedererkennen. Sprüche wie „Zwerg“ oder „Alp-Öhi“ sind an der Tagesordnung. „Ihr seid ja nur neidisch“, gebe ich jeweils als Antwort lakonisch zurück. Aber was hat das mit Kunst und Kreativität zu tun? Vielleicht gelingt mir die Innenschau besser. Vielleicht sind meine Sinne mehr geschärft.

Ich spüre, dass die Haare wie Antennen fungieren, sie fangen Informationen ein. Informationen, die mir ansonsten nicht zugänglich wären. Ein sinnliches Erlebnis, eine neue Erfahrung und absolut nicht im Modetrend, wo doch heute Glattrasiertheit – wo auch immer – zu einem neuen Schönheitsideal erkoren wird. Seltsam dünkt es mich, wo ich doch so empfinde, dass das Natürliche – die Natur – einfach sein darf, sich entfaltend und entwickelnd, und wir staunen können ob ihrer Vitalität, Schönheit und Vielfalt.

Wie auch immer, jedem das Seine… und mir das Meine. Zusammengefasst stelle ich fest, dass lange Haare meine Wahrnehmung der Wirklichkeit verändern, sie wird feiner und sensibler, ich werde achtsamer und sanftmütiger. Natürlich werde ich diese Empfindungen und Aspekte in meine Kunstwerke einfliessen lassen. Ich bin gespannt…


30. August 2013

15. Eintrag, Bern

Das Leben drängt vorwärts, gar stürmisch, oft bunt und ganz und gar nicht langweilig. Man möchte meinen, warum drückt denn niemand die Stopptaste? Ich will nicht jammern, denn ich bin gefordert, meine Kräfte einzuteilen, Prioritäten zu setzen, Ansprüche runter zu schrauben und mich trotzdem frei und ehrlich zu fühlen. Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen. Wem geht’s wohl nicht so?

Ich freue mich auf kommende Ausstellungen: Die „Spirituelle Kunst“ in Solothurn Mitte Oktober und die „EARTH – Kunst zum Thema Natur“ in St. Gallen Anfang November. Die EARTH hat zurzeit meine ganze Aufmerksamkeit, besonders die Auseinandersetzung mit verschiedenen, natürlich gewachsenen Holzformen, die mich inspirieren und drängen, Ideen umzusetzen.

Trotz wirtschaftlicher Flaute investiere ich in diverse Materialien und hoffe, – nein, habe ich die Zuversicht, dass der Aufwand sich lohnen wird. Wie so oft bin ich an dem Punkt, wo ich abwägen muss, wie viel und wo ich Geld investiere, ohne dass wir an den Punkt kommen, wo wir weder ein noch aus wissen. Dann heisst es still Werden und Horchen, Hingabe heisst das Zauberwort – und die Antworten kommen.


24. Mai 2013

14. Eintrag, Bern

Einmal im Monat bin ich hier in der „Quelle“ in Bern anwesend, für jene Leute, die gerne mit dem Künstler ins Gespräch kommen wollen. Bin ich dann fertig mit dem Aufhängen von neuen Werken und findet sich eine Lücke, wo ich Zeit für mich habe, nutze ich sie, wie jetzt für diesen Tagebucheintrag. Der Abstand vom Atelier gibt mir die innere Ruhe, meine Gedanken zu sammeln und niederzuschreiben. Meine Hände sind – so fällt mir jetzt auf – mit Ölfarben in den Farben gelblich-weiss-rosa eingefärbt, und es braucht ein paar Tage, bis sie wieder ganz sauber sind.

Nun ja, es war eine intensive Woche. Fünf grossformatige Öl-Klangbilder sind entstanden, in denen ich meinen Körper, insbesondere meine Hände als Werkzeuge benutze und nicht Rücksicht nehme auf irgendwelche Vorstellungen, wie ich mich mit Farben auseinandersetzen soll. Da gehe ich mit voller Hand rein in ein Fünf-Kilogramm-Farbkessel, schöpfe die Farbe und mische sie mit Terpentin, bis eine butterige Konsistenz entsteht, um sie mit blossen Händen auf die Leinwand aufzustreichen, sie mit verschiedensten Materialien wie Stofffetzen, Holzspachtel, Schwämme, Sand, Pinsel bearbeite, knete und mich ganz und gar vergesse…wie wunderbar!

Fünf Klangbilder, grossformatig, in einer Woche – ich getraue mich fast nicht, dies zu schreiben, und doch ist es möglich unter guten Umständen. Eines der Klangbilder war ein Auftrag, mit Musik von Whitney Houston. Sechs Wochen hat es mich innerlich beschäftigt, bis ich das Bild, insbesondere die Farben, vor meinem inneren Auge sah und es dann auf die Leinwand gebar. Klangbilder entstehen dann, wenn ich mich mit der Musik in Verbindung bringe, und wenn ich das Bild innerlich vor mir sehe. Dann und erst dann ist das Bild reif, um in dieser Welt zum Vorschein zu kommen. 23 Klangbilder sind bis anhin entstanden, und in circa zwei bis drei Wochen werden die ersten auf meiner Homepage zu sehen sein.

Ich fühle mich zwischen „erschöpft“ und „es ist vollbracht“. Ich gönne mir ein kleines Geschenk mit meinen Lieblingspralinen (Zwetschgentruffes)…


20. April 2013

13. Eintrag, Sylt

Während meine Frau ein Seminar von Barbara Bessen besucht, geniesse ich mit meinem Sohn die noch kühle Zeit am windigen Strand. Eine karge, ganz besondere Stimmung. Wir beobachten Vögel und schreiben auf, wie viele Arten wir entdecken. Wir sind ganz begeistert, wenn wir den vorherigen Tagesrekord übertreffen.

Die Farben hier sind intensiv. Wenn die Sonne scheint und sich das braune Schilf vor dem blauen Horizont im Wind wiegt, komme ich ins Träumen und fliege mit den Silbermöwen weit ins Meer hinaus…

Der Abstand von Zuhause tut gut. Franziska sitzt oft am Strand im Schneidersitz mit Blick aufs Meer. Ein Anblick, der so typisch für sie und so vertraut für mich ist. Momente, wo die Zeit zum Stehen kommt, und alles ist in Ordnung.

Das süsse Nichtstun will gelernt sein. Denn der Verstand braucht ständig und begierig seine Stimulanzien, von denen ich ihm hier aber nur reduziert etwas biete. Ich verweile in Momenten und nehme sie auf, um sie später in die Kunst einfliessen zu lassen.

Das Essen hier sieht bunt aus, und man freut sich, reinzubeissen, ist dann aber jäh enttäuscht. Die Aussage einer Dame trifft es genau: „Es reicht zum Überleben“. Als Alternative haben wir ein schönes Café mit norddeutschen Leckereien gefunden, welche uns die Tage hier versüssen.

Die vier Tage sind schnell vorbei, und ich freue mich, bald wieder in Brienzwiler meine Arbeit aufzunehmen.


22. März 2013

12. Eintrag, Bern

Eine sehr spezielle Zeit, in der ich mich befinde. Seit Januar 2013 arbeite ich intensiv wie noch nie. Über dreissig Werke sind entstanden, und kein Ende ist in Sicht, im Gegenteil, es geht sogar so weit, dass je mehr ich arbeite desto inspirierter und ideenreicher werde ich. Und was ich bis anhin noch nicht gemacht habe, ist, meine Ideen zu skizzieren, aufzuschreiben und aufs Blatt zu bringen.

Und was meint meine Frau dazu, wenn ich nur noch arbeiten will? Ich würde es mal so formulieren: Sie zieht die Notbremse – im richtigen Moment! – und wir verbringen ein gemeinsames Wochenende in einem Wellnesshotel. Und jedes Mal sage ich ihr, dass wir das doch öfters tun sollten, für die Beziehung, für die Seele, für den Körper, einfach alles wunderbar.

Aber kaum sind wir zu Hause, geht’s schon wieder los, und der Künstlervirus packt mich. Es sind wahrlich – obwohl die Tage länger werden – Tage, die so schnell vergehen, Wochen, die ausgefüllt und kurzlebig sind wie selten in meinem Leben.

Es geht mir gut und ich bin zufrieden. Doch nehme ich mir eins zu Herzen: Die goldene Mitte zu finden in meiner Arbeit und in der Freizeit, zum Wohle für alle.


11. Januar 2013

11. Eintrag, Luzern

Dynamisch fängt das noch junge Jahr an. In vielerlei Hinsicht. Zum einen sind da Kundenaufträge, welche fertig gemacht werden müssen bzw. wollen. Zum anderen Kristallsonnen, von denen ich immer zu wenig habe, und zu guter Letzt sind da noch die Klangbilder, an die ich zurzeit mein Herz verloren habe.

Klangbilder sind Ölbilder, auf Leinwand oder Holz gemalt, mit einem klassischen Musikstück als Thema. D.h. ich lasse zum Beispiel das Stück “Adagio g-Moll” von Albinoni auf dem CD-Player laufen und male, kreiere zur Musik ein entsprechendes Bild. Gebe dem Klang Farben und Formen. Hauche ihm Leben ein. Ein wahrer Genuss für all meine Sinne. Arbeit und Ferien in einem. Auf und ab, hin und her, hoch und tief, gewaltig und dramatisch, phantasievoll und märchenhaft, hell und dunkel, gross und klein, süss und schön. Ach, wie komm‘ ich ins Schwärmen, und meine Hände brennen und sehnen sich nach Ölfarben, Leinwand und Pinsel!

Wie schätze ich mich doch privilegiert, diese Arbeit tun zu können, trotz all der täglichen Herausforderungen wie Familie, Beziehung und Finanzen!

Wäre da nicht meine Frau, welche täglich ihre Bürodienste, den Haushalt, die Kinderbetreuung und das Kleben der Kristalle auf die Kristallsonnen übernimmt – eine Feinarbeit, welche sie mit Präzision und Geduld seit Jahren ausführt –, gäbe es meine Art von Kunst nicht.

Ich schätze es sehr, wie sie Haushalt und Bürodienst jeden Tag von neuem auf die Reihe bringt. Zusätzlich ist sie noch meine Beraterin und meine schonungslose Kritikerin bei jedem neuen Werk, was mich antreibt oder eben auch zum Verzweifeln bringt. Meine Ungeduld und mein Ungestüm machen mir oft einen Strich durch die Rechnung. Franziska ist da sehr ausgleichend, sachlich und neutral. Kritik von ihr ist oft entscheidend für gute Werke, für Kunst mit entscheidender Aussage, vor allem in der Ölmalerei.

Meiner Frau gebührt mein herzlichster Dank.


23. Oktober 2012

10. Eintrag, Gstaad

Glücksgefühle durchströmen mein Gemüt. Aus verschiedenen Gründen. Zum einen der Verkauf eines Bildes aus der Serie des gelben Sommers an eine Bank. Zum anderen die Klangbilder, welche flüssig und klar auf die Leinwand gebracht werden wollen. Das heisst die Thermik von Farbe, Form und Musik ist in Bewegung, und es fliesst in gutes Gefilde.

Ein lippenloses Lächeln begleitet mich. Es sind Tage, wo das das Künstlerleben mit Freude und Zufriedenheit erfüllt ist. Nicht selbstverständlich, nach vielen Momenten von Ungewissheit, Risiko und Zweifel, all die Jahre hindurch.

Es ist eine Herausforderung, mir einzugestehen, dass ich die Anerkennung der Gesellschaft brauche. Dies ist eine Sackgasse, das ist mir völlig bewusst. Na ja, ich nenne es „die Herausforderungen des Lebens“.

Als Mensch und Künstler reflektiere ich mich, meine Arbeit, meine Umwelt, meine Mitmenschen ständig, beobachte und hinterfrage, fühle und bewege mich. Lebe ein Leben, welches nicht den Vorstellungen anderer entspricht, mit allen Konsequenzen, und das ist gut so.


21. August 2012

9. Eintrag, Brienzwiler

Ein wenig von allem ist oft gut genug – oder auch zuviel, besonders wenn die Tage so heiss sind wie jetzt. Das Atelier wird zur Sauna, und der Schweiss tropft auf Leinwand und Ölfarben. Ich mag diese Form von Hitze nicht. Mein Gemüt ist gereizt und angespannt.

Trotzdem bin ich voller Ideen und Schaffenskraft. Ich geniesse die Kombinationen von Holz, Kristall und Gold. Skulpturen und Wandobjekte mit fliessenden Bewegungen erweitern und kühlen meine Sinne. Ich arbeite intensiv und bin oft mit zwei bis drei Werken gleichzeitig beschäftigt. Der Morgen ist reserviert für Ölbilder, der Nachmittag für Skulpturen.

Nach dem morgendlichen Dinkelbrei und dem anschliessenden Spaziergang mit unserem Hund Jenny ist es für mich ein Privileg, klassische Musik aufzulegen und ganz darin aufzugehen. Mit gelben Farbtönen ganz in die Klänge und Symphonien einzutauchen und das Abenteuer zu erleben, Klänge sichtbar werden zu lassen. „Klangbilder“ nenne ich sie.

Zwanzig sollen es am Schluss sein, alle in Gelbtönen, und deren drei sind schon entstanden: „An den Quellen“ von Friedrich Smetana, „Adagio g-Moll“ von Tommaso Albinoni und „Morgenstimmung“ von Edvard Grieg. Für das vierte Bild werde ich das Menuett A-Dur von Luigi Boccherini nehmen.

Man fragt sich vielleicht, warum denn schon wieder alle Bilder in Gelbtönen? Ganz einfach, weil noch so viel Gelb in mir ist. Das raus will, raus muss, sich zeigen will, wild, aufbäumend, mystisch, sanft und still, eben ein riesiger, gelber Fluss, dem es ein Bedürfnis ist, frei zu fliessen – in die Herzen der Menschen.

Ja, in der Malerei erlebe ich Grenzenlosigkeit und Freiheit – nirgends sonst so intensive.


27. Juni 2012

8. Eintrag, Brienzwiler

Nicht jeder Tag ist erfüllt mit Inspiration und Kreativität. Nein, es gibt auch solche mit Müssiggang und Leere…

Es ist besser für mich, wenn ich mich dann mit der Natur befasse, mit den Obstbäumen, den Wiesenblumen, den Schmetterlingen, den Bienen, mit dem Wind und der Sonne. Dies ist Labsal für meine Seele und mein Gemüt.

Und so wie die Tage kommen und gehen, kommen und gehen meine Gemütszustände. Das immer wieder von neuem Ja-Sagen zur Kunst und Kreativität ist ein Prozess. Und ich hoffe, dass mir nie die Ideen ausgehen. Wahrscheinlich ist mein Anspruch auch ein wenig zu hoch.

Ich bin müde und brauche Pause. Pause von allem, von Frau, Kindern, Haus und Hund, Farben und Leinwänden. In Gedanken bin ich an den Stränden Irlands und fliege mit den Möwen…


27. April 2012

7. Eintrag, Luzern

Es ist schon so, dass ich die Tendenz habe, zu schreiben, wenn es mir gut geht. Und wenn ich schreibe, neige ich dazu, mich von der Seite zu zeigen, welche doch – möchte ich sagen – Eindruck hinterlässt. Wie auch immer, wer mehr erfahren will, soll doch mit meiner Frau in Verbindung treten.

Die Oster-Ausstellung „Der gelbe Sommer“ in Luzern war ein voller Erfolg, abgesehen von der zweiten Ansprache, die für mich zweifelsohne peinlich bis voll daneben war. Die dritte war dafür so, wie es sein soll: Ehrlich, spontan, direkt, authentisch, ohne Notizen und mit meiner Frau zusammen, einfach wunderbar. Die Leute waren interessiert und von einigen Bildern sehr angetan, und meine Selbstzweifel wichen langsam, Freude und Entspannung breiteten sich allmählich aus.

Jene Begegnung mit einem Mann, welcher ganz spontan ein grosses Ölbild kaufte – ein Bild mit einer goldgelben Sonne in einem ebensolchen Himmel über einem glühenden Kornfeld –, berührte mich.

Ich denke an jenen Tag zurück, an dem ich bei einem Kornfeld schauend und staunend stand und mich ganz dem wehenden Weizen und den Elementen hingab, während ich noch nicht wusste, dass in diesem Moment der Same des „gelben Sommers“ in mir angelegt wurde.

Die Sonne, die mit ihrem Gold die Erde berührt, umarmt und im goldenen Korn ihre Antwort findet. Der Wind, welcher mit seinem Flüstern die Ähren zum Tanzen bringt, ein grosses Wogen, als wär’s ein Ozean aus Gold. Ja, dies sind die wahren Momente von Zufriedenheit, Frieden, von Inspiration und Freude. Mögen sie für alle erfahrbar sein!


22. Februar 2012

6. Eintrag, Bern

Mit Erschrecken stelle ich fest, dass seit dem letzten Eintrag fast drei Monate vergangen sind. Mein Vorhaben, jeden Monat einen Eintrag ins Künstlertagebuch zu schreiben, ist wohl nicht ganz gelungen.

Privat und kunstmässig läuft es, wie es laufen soll: Bunt, lebendig und immer wieder mit ein paar Knacknüssen zum Nachdenken und Sinnieren. Die Ausstellung in Gstaad ist zu einem abrupten Ende gekommen. Kurzum, im Nachhinein ist man immer schlauer und auch ein bisschen weiser.

Der Frühling schickt die ersten Boten, und die Meisen singen. Ich bin mit der Kamera unterwegs, um ein paar Schnappschüsse zu machen. Der Ausgleich zwischen Natur und Atelier ist für mich enorm wichtig und inspirierend. Überall, wo ich hinschaue, bin ich belebt, und Ideen nehmen bildhaft Formen an. Ein Zustand, der, so schnell er kommt, auch wieder vergeht und nur ein kleiner Teil sich tatsächlich künstlerisch umsetzen lässt.

Es tut gut zu wissen, dass die Tage heller werden und die goldene Sonne die kommenden Tage und Wochen uns immer mehr von ihrer Zeit schenkt.

Einige Bilder des gelben Sommers zeige ich an der Lebenskraft vom 1.-4. März in Zürich. Ich freue mich auf die Reaktionen.


30. November 2011

5. Eintrag, Brienzwiler

Obwohl ich bereits eine Woche vorher grippig war und die Fahrt mit dem Auto 800 km betrug, war die Ausstellung in Osterwald (Deutschland) ein schöner Erfolg.

Die Vernissage am 6. November war gut besucht, und die Begegnungen mit der Galeristin Maria Kaluza und den Menschen dort waren aussergewöhnlich, im Sinne von grosser Offenheit und einer Herzlichkeit, wie ich es selten in dieser Art erfahren habe. Da ich vor Vernissagen immer aufgeregt und hibbelig bin, war die Krankheit in diesem Moment ein Segen, konnte ich doch sehr ruhig und gelassen ein Gedicht von Goethe zitieren und frei aus dem Bauch über meine Kunst erzählen. Am Sonntagabend machte ich mich sehr nachdenklich und zufrieden mit meiner Frau auf die Heimreise. Diese Ausstellung läuft noch bis Ende Januar.

Des Weiteren freue ich mich über die unerwartet zustande gekommene Ausstellung in Gstaad im „Atelier Buch & Bild“. Einige bemerkenswerte Kornfelder des „gelben Sommers“ sind dort zu besichtigen. Für einige davon liess ich spezielle, vergoldete Rahmen anfertigen, denn gewisse Gemälde verdienen ein passendes Pendant. Alles in allem äusserst sehenswert. Und Prosit auf schöne Kunst!

Wie es mir trotz anhaltendem grippalem Infekt und Stirnhöhlenkatarrh geht? Nun ja, es kann nur noch besser warden…


29. Oktober 2011

4. Eintrag, Luzern

Viel Arbeit – besonders die Ausstellung in Osterwald/Deutschland – beschäftigt mich. Zusätzliche Aufträge lassen mir keine Zeit für Arbeiten mit Gelbtönen, welche ich so gerne machen würde. Besser so als anders. Somit ist für das Materielle gesorgt und der Kopf ist frei.

So gehe ich zurzeit mit meinen gelben Bildern schwanger und freu’ mich auf ruhigere Tage. Es geht mir gut und das ist gut so. Der Herbst war warm und schön, und mein Herz ist voll.

Was soll ich schreiben, frag’ ich mich, wenn die ganze Welt zuhört und meine Gedanken lesen kann? Was ist dann wirklich noch wichtig? Hmm… Ich komme schwer ins Grübeln…

Vielleicht ein heiterer Gedanke: „Blumen sind das Lächeln der Erde“.


2. September 2011

3. Eintrag, Brienzwiler

Leider – muss ich sagen – geht der gelbe Sommer vorbei, nicht aber die gelbe Phase. Der 31. August war Stichtag und Abschluss des gelben Sommers. Insgesamt sind 41 Werke entstanden. Einige sind dabei, welche mir sehr gefallen, insbesondere die Kornfelder und die grossformatige Serie Supernova I-III. Was mir übrig bleibt, ist die Erkenntnis, dass mich Gelbtöne total entspannen, erheitern und – warum auch immer – trösten. Vielleicht auch etwas in mir zum Klingen bringen, das eine stille Sehnsucht nach Ruhe und Einkehr in mir wachruft.

Was gibt es Poetischeres als ein reifes Kornfeld, welches nicht nur für das Auge eine Liebkosung ist, sondern mein ganzes Wesen zum Leuchten bringt? Möge dieses Leuchten auch in kommenden Wintertagen mein steter Begleiter sein und sich in Werken widerspiegeln! Halleluja!

Mein Ziel – 30 bis 50 Werke in Gelbtönen – habe ich erreicht. Es war anstrengend und überaus lebendig. Es gab Momente, wo ich vor lauter Arbeit gar nicht wusste, wo ich beginnen sollte. Dieser Zustand hält noch an. Ein schöner Nebeneffekt davon ist, dass ich drei Kilos abgenommen habe.


26. Juli 2011

2. Eintrag, Hotel Giessbach

Wie schnell doch die Zeit vergeht!

Doch das Schwimmen in gelben Farben hält an. Ich habe einige Bilder mit Kornfeldern und Sonnenhimmel gemalt, bin ganz versunken darin und komme kaum davon weg. Ich geniesse diese Phase des gelben Schöpfungsprozesses. Gibt es mir doch neben all der anderen Arbeit im täglichen Leben sehr viel Sinn und inneren Frieden. Ja, bisweilen erlebe ich Momente von enormer Klarheit und Präsenz.

Mein Ziel war ja, bis Ende August die Werke beisammen zu haben. So wie es jetzt aussieht, bin ich inzwischen mit 17 Bildern auf Kurs. Wage mich jetzt auf grossformatige Leinwände und verbrauche gut und gern für so ein Bild ein Kilo Ölfarben. Es ist eine ganz eigene Sinnlichkeit, so grossformatig und so verschwenderisch mit Ölfarben umzugehen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Ich sprenge meine eigenen Grenzen und Vorstellungen und habe in mir die Gewissheit, dass das schon so in Ordnung ist.

Es ist ein kühler, regnerischer Juli, doch in meinem Atelier ist es Sommer, gelb und warm. Franziska arbeitet viel im Büro, Haushalt und in den Gärten. David und Noëmi haben Schulferien und wollen etwas erleben. Bei jedem Bild sind sie jeweils meine ersten Kunstkritiker, und oft gibt es hitzige Gespräche und Diskussionen.

Alles in allem ist viel Bewegung und Dynamik in unserer Familie. Warum auch muss der Vater Künstler sein! Sicher wäre sonst alles ein bisschen ruhiger und sittsamer.


15. Juni 2011

1. Eintrag, Brienzwiler

Nach 25 Jahren kreativem Kunstschaffen, davon 12 Jahre als freischaffender Künstler, bin ich müde… Meine Frau meinte: „Mach eine Pause, eine kreative Auszeit, und erhole dich.“ Bingo, das hat gesessen. Ich habe mich fallen lassen, bin ganz ins Gefühl von Entspannung und Erholung gekommen, habe einfach mir selber erlaubt, auszuatmen, loszulassen, still zu werden.

In diesem Zustand der Erholung hatte ich Lust, mein Atelier aufzuräumen und sauber zu machen. Während dem Aufräumen blieben meine Augen bei den gelben Farben hängen. In diesem Moment wurde mir klar: 30-50 Bilder, alle in Gelbtönen. Ich fing noch am selben Tag mit zwei Bildern in Acryl an. „Der gelbe Sommer“ war geboren.

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen, und ich habe fünf weitere Werke in Öl vollendet. Ich bin sehr inspiriert und voll Tagendrang und fühle diese Kraft in mir, welche sich ausdrücken will. Mein Ziel ist es, bis Ende August alle Werke beisammen zu haben. Ob ich noch müde bin? Nein. Bin ich erstaunt? Ja.

P.S. Wer nicht an die Sonne glaubt, ist gottlos.